ISSB einigt sich auf vorgeschlagenen Weg für naturschutzrelevante Offenlegungen

22. April 2026

Am 22. April 2026 einigten sich die ISSB auf einen vorgeschlagenen Weg zur Eingliederung naturschutzrelevanter Finanzoffenlegungen in das Rahmenwerk der IFRS-Nachhaltigkeitsoffenlegungsstandards. Die Entscheidung markiert einen bedeutenden Schritt in Richtung formaler Leitlinien auf Standardebene zu Biodiversität, Ökosystemen und Naturkapital — Bereichen, die von Investoren und Regulierungsbehörden für eine breite Palette von Branchen zunehmend als finanziell wesentlich gekennzeichnet wurden.

ISSB einigt sich auf den vorgeschlagenen Weg für nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungen zu Naturschutz

Am 22. April 2026 einigte sich das International Sustainability Standards Board (ISSB) auf seinen vorgeschlagenen Weg für naturschutzbe­zogene Finanzoffenlegungen und signalisierte damit die nächste Phase seines Nachhaltigkeitsnormenprogramms jenseits von IFRS S1 General Requirements und IFRS S2 Climate-related Disclosures.

Warum Naturschutz auf der Agenda des ISSB steht

Obwohl der Klimawandel seit der Veröffentlichung des TCFD im Jahr 2017 das Gespräch über Nachhaltigkeitsberichterstattung dominiert hat, haben Investoren und Regulatoren zunehmend erkannt, dass Biodiversitätsverlust, Ökosystemzerstörung und natürliche Kapitalausbeutung erhebliche finanzielle Risiken für eine breite Palette von Branchen bergen — von Landwirtschaft und Lebensmitteln bis hin zu Pharmazie, Bergbau und Finanzdienstleistungen.

die Taskforce on Nature-related Financial Disclosures (TNFD), die ihre endgültigen Empfehlungen im September 2023 veröffentlichte, etablierte eine parallele Architektur zum TCFD: vier Säulen (Governance, Strategie, Risiko- und Auswirkungsmanagement sowie Kennzahlen und Ziele), die spezifisch auf naturschutz­bezogene Risiken und Chancen angewendet werden. Das TNFD-Rahmenwerk wurde weltweit freiwillig von Hunderten von Organisationen übernommen und von der G7 und G20 als primäres Instrument für die Berichterstattung über Naturschutz befürwortet.

die Entscheidung des ISSB baut direkt auf diesem Momentum und auf der Interoperabilitätsverpflichtung auf, die es mit anderen Nachhaltigkeitsrahmenwerken eingegangen ist.

Was sich der ISSB geeinigt hat

der vorgeschlagene Weg des ISSB beinhaltet die Entwicklung von Offenlegungsanforderungen für Naturschutz, die:

  • aufbauen auf und interoperabel mit dem TNFD-Rahmenwerk sind und Duplikationen für Unternehmen, die bereits nach TNFD-Empfehlungen berichten, vermeiden
  • die gleiche vier-Säulen-Architektur wie IFRS S1 und IFRS S2 anwenden, um strukturelle Konsistenz über die ISSB-Normensammlung gewährleisten
  • den Fokus auf Unternehmenswert von IFRS S1 und S2 beibehalten — Offenlegungen sind darauf ausgelegt, Investoren bei der Bewertung von Finanzrisiken und -chancen zu unterstützen, nicht um einen umfassenden Umweltauswirkungsbericht zu erstellen
  • branchenspezifische Anforderungen für die Branchen adressieren, die am stärksten von Naturabhängigkeiten und -auswirkungen betroffen sind, basierend auf der TNFD-Branchenleitlinien und den SASB Standards

Verbindung zu IFRS S1 und S2

Unternehmen, die bereits IFRS S1 General Requirements for Disclosure of Sustainability-related Financial Information anwenden, werden feststellen, dass das Rahmenwerk für Naturschutzoffenlegungen so gestaltet ist, dass es in die gleiche Berichtsstruktur passt. IFRS S1 verlangt bereits von Unternehmen, wesentliche Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen über Klima hinaus offenzulegen — naturschutz­bezogene Risiken, die derzeit als wesentlich angesehen werden, müssen bereits unter IFRS S1 offengelegt werden, selbst bevor eine spezifische Naturschutznorm vorhanden ist. Die bevorstehenden Anforderungen werden die spezifischen Kennzahlen, Szenarioanalyseleitlinien und branchenspezifischen Indikatoren bereitstellen, die IFRS S1 heute dem Ermessen der Aufsteller überlässt.

Zeitplan und nächste Schritte

die Einigung des ISSB auf den Weg voraus stellt weder einen Exposure Draft noch eine endgültige Norm dar. Die nächsten Schritte umfassen normalerweise:

1. Forschungs- und Stakeholder-Engagementphase 2. Veröffentlichung eines Exposure Drafts (ED) zur öffentlichen Stellungnahme 3. Wiederüberlegung und Fertigstellung

Basierend auf dem Tempo des ISSB bei IFRS S2 und seinem erklärten Engagement für effizientes Vorgehen könnte ein Exposure Draft Ende 2026 oder 2027 entstehen. Unternehmen, die Übergangspläne vorbereiten, sollten die ISSB-Aktualisierungen genau überwachen.

Wer sollte jetzt aufmerksam sein

  • Landwirtschafts-, Lebensmittel- und Getränke-, sowie Konsumgüterunternehmen mit erheblicher Landnutzung und Wasserabhängigkeit
  • Bergbau-, Öl- und Gasunternehmen sowie Chemikalienunternehmen mit direkten Ökosystemauswirkungen
  • Finanzinstitute — Banken, Vermögensverwalter und Versicherer — mit Portfolioengagements in naturabhängigen Branchen
  • Pharma- und Biotechunternehmen mit Abhängigkeit von genetischen Ressourcen und Biodiversität
  • Jedes Unternehmen, das bereits TNFD-Empfehlungen anwendet, da die ISSB-Ausrichtung hoch sein wird

Praktisches Fazit

Unternehmen, die sich bereits jetzt mit dem TNFD-Rahmenwerk auseinandersetzen — LEAP-Bewertungen (Locate, Evaluate, Assess, Prepare) durchführen, Naturabhängigkeiten in ihren Wertschöpfungsketten kartieren und interne Datenkapazitäten aufbauen — werden am besten positioniert sein, wenn ISSB-Anforderungen obligatorisch werden. Die Kosten für den Aufbau von Naturschutz-bezogener Dateninfrastruktur von Grund auf, sobald eine Norm vorhanden ist, werden wesentlich höher sein als wenn man jetzt mit dem Prozess beginnt.

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